Der Apparat

Vipern gehören zu den sogenannten Röhrenzähnern (Solenoglypha), deren Giftapparat sich durch seine besonders große Beweglichkeit auszeichnet. Bei geschlossenem oder leicht geöffneten Maul zeigen die Giftzähne nach hinten. Erst wenn es geöffnet wird, Ober- und Unterkieferknochen weit auseinander gespreizt werden, ermöglicht die außerordentliche Bewegungs fähigkeit verschiedenster Knochen das Ausklappen der Zähne nach vorne hin.

Die Zähne haben neben der Injektion eines in der Regel tödlichen Gemischs in die Beute darüber hinaus die Funktion, das Verschlingen des jeweiligen Tieres zu unterstützen: haben Vipern ihr Futter gefunden oder das getötete Tier im Maul, so nutzen sie die Bewegungsfähigkeit ihrer Giftzähne, indem sie abwechselnd mit dem einen und dann dem anderen Zahn nach vorne hin ins Beutetier greifen, um es Stück für Stück in ihren Körper zu ziehen.   

Das geöffnete Maul einer Hornviper(cerastes cerastes). Deutlich erkennbar sind die in den Hautfalten liegenden Giftzähne. Dieses Tier hat einen weiteren Nebenzahn. Bei der Untersuchung einer Gabunotter (bitis gabonica rhinoceros) wurden entgegen den Angaben der einschlägigen Literatur schon bis zu 5 weitere Nebenzähne gezählt !

Nashornviper   (bitis nasicornis)

beim Verschlingen ihres Beutetieres. Man sieht deutlich, wie der linke Gift- zahn gerade weit nach vorne ge- drückt wird, um ihn dann wie einen Haken zu nutzen


Durch das “Einklappen”des Zahnes wird das Beutetier ins Maul gezogenen. Diesen Vorgang wiederholt die Viper  mit dem rechten und dem linken Giftzahn abwechselnd.

Immer bereit ...
 
 
Vipern erneuern ihre Giftzähne in regelmäßigen Abständen. Mindestens ein Nebenzahn wächst ständig nach und drückt dabei den jeweils aktiven Zahn nach vorne, bis dieser abbricht.

 

 

 

 

 

Das nebenstehende Bild zeigt zwei im Abstand von ca. 6 Monaten gefundene Zähne einer Bitis gabonica gabonica. Während dieser Zeit hat das etwa 2 Jahre alte Tier nur unwesentlich an Körperlänge und -umfang zugenommen. Die Giftzähne haben sich jedoch in Form und Länge der veränderten Schädelgröße angepaßt.

Diese Zeichnung habe ich dem Buch “Die Schlangen Enzyklopädie” von Chris Mattison, erschienen 1999 im Verlag “blv” entnommen